25 February 2025

Collaborations

Future-Proof Fashion von Walter Van Beirendonck

Walter Van Beirendonck posing for the camera

Er ist tonangebend in der Modewelt und für viele ein großer Inspirator. Und als Dozent kurbelte er die Karriere zahlreicher Nachwuchstalente an. Walter Van Beirendonck ist einer der angesehensten zeitgenössischen Designer. Außerdem ist er anno 2025 einer der wenigen, die noch ein unabhängiges Label führen und ihre Kollektionen auf der Pariser Modewoche präsentieren. Seit über 40 Jahren lotet er auf seine ganz eigene Art die Grenzen dessen aus, was Mode sein kann. „Ich bin nicht jemand, der einfach irgendwas macht. Ich will mich selbst herausfordern und neue Techniken untersuchen. Ich will future-proof sein.“

Walter Van Beirendonck (Belgien, 1957) ist ein Pionier, wenn es um innovative Mode geht. Mit seinen avantgardistischen und spielerischen Entwürfen gelingt es ihm immer wieder, die herrschenden Normen in Frage zu stellen. Der Designer gehört zum legendären Modekollektiv Antwerp Six, das Anfang der 1980er die zeitgenössische Mode neu definierte. Während seiner gesamten Karriere strebt Walter Van Beirendonck nach totaler kreativer Freiheit. Das brachte ihn dazu, sein unabhängiges Modelabel im Jahr 2000 erneut zu lancieren.

Wir luden den belgischen Stardesigner ein, an einem besonderen Projekt mitzuwirken, das Denim, Innovation und Experimentierfreude nahtlos miteinander verbindet. Und mit nahtlos meinen wir tatsächlich ohne Nähte. Van Beirendoncks Ausgangspunkt war es, traditionelle Konstruktionstechniken so zu nutzen, dass weitestgehend auf Nähte verzichtet werden konnte. Dabei griff er auf ungebräuchliche Materialien wie Klebstoff und Klebeband zurück. Das Ergebnis? Eine auffällige, innovative und gleichzeitig tragbare Sonderkollektion aus Unisex-Modellen: Jeans, Jeansjacken, Strickwaren und T-Shirts. Wir fragten den Designer nach seiner Motivation, seinen Entwurfsprinzipien und seiner Liebe zu Denim.

Warum haben Sie die Einladung zur Zusammenarbeit angenommen?

„Ich habe früher ziemlich viel mit Denim gearbeitet. Vor allem in den frühen 1990ern, als ich für Gianfranco Ferré oder später für Wild & Lethal Trash gearbeitet habe. In den letzten Jahren spielte Denim bei meinem eigenen Label eine geringere Rolle – leider. Die Entwicklung von Jeans ist für unabhängige Designer nämlich kompliziert und kostspielig. Deshalb freute ich mich umso mehr auf die Zusammenarbeit mit G-STAR. Eine einmalige Chance. Und eine Herausforderung.“
Worin bestand diese Herausforderung?

„Ich hatte freie Hand, was ziemlich außergewöhnlich ist. Ich konnte tun, was ich wollte. Aber ich bin nicht jemand, der dann einfach irgendwas macht. Für mich stand fest: Es musste um Mode gehen. Kein Kunstwerk und auch keine Installation. Ich wollte mich selbst herausfordern und neue Techniken ausprobieren. Ich wollte future-proof sein. Dieses Statement über Zukunftssicherheit baute ich buchstäblich in die Kollektion ein.“

Warum zukunftssicher?

„Die Modebranche ist immer noch eher primär. Menschen, die an Nähmaschinen so schnell wie möglich Bekleidung fabrizieren: Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Die Produktion wurde zwar nach Fernost verlagert, aber was Innovation betrifft, ist nicht viel passiert – im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbranchen.“

Sie waren gut anderthalb Jahre mit der Entwicklung der Kollektion beschäftigt.

„Ja, stimmt. Es wirkte befreiend, mir dafür wirklich Zeit nehmen zu können. Zeit ist heute ein Luxus. Seit einigen Jahren schon faszinieren mich Roboter und deren Funktion, und wie sich daraus Techniken wie der 3D-Druck entwickeln. Das hat das Brainstorming in Gang gesetzt: neue Konstruktionstechniken ausprobieren, Grenzen ausloten und diese verschieben. Irgendwann kam mir die Idee, wir könnten es ja mal ohne Nähmaschine versuchen und stattdessen Techniken mit Klebstoff und Klebeband nutzen. Zusammen mit G-STAR konnten wir die Grenzen sprengen.“
Sie tauften die Kollektion 'Denim with Balls.'

„Ich gebe allen Kollektionen Namen. Ich versuche damit, eine Story zu konstruieren, die dann für mich als Wegweiser dient. Damit sorge ich dafür, dass die Richtung deutlich vorgegeben ist. Bei dieser Kollektion dachte ich mir ein Wortspiel aus, das sowohl Mut ausdrückt als auch die innovativen Aspekte betont. Die dreidimensionalen runden Formen werden buchstäblich in die Stoffe gestanzt oder gestrickt.“

Bei Ihren Entwürfen tauchen oft Statements auf. Warum sind sie so wichtig für Sie?

„Ich schreibe viel. Kurze Texte, Statements, Sätze. In dieser Kollektion spielen „Future Proof“, „Wow“ und „Stitch Less“ Hauptrollen. Sie helfen uns, die Zeit, in der wir leben, zu deuten und einzufangen.“

Sie streben nach Dialog.

„Ja, über meine Entwürfe suche ich nach Kontakt und Kommunikation. Ich habe eine positive Einstellung, aber in kleinem Kreis kann ich auch mal schwermütiger werden. Ich finde es halluzinatorisch, dass die Welt auf dem Kopf steht und es daneben auch noch Kunst gibt.“

Bezeichnen Sie sich selbst als engagiert?

„Auf jeden Fall. Alle sechs Monate habe ich eine Stimme. Damit kann ich auf die Aktualität reagieren. Ich finde, dass alle Personen des öffentlichen Lebens, die bereit und in der Lage sind sich zu engagieren, das auch tun sollten. Für mich ist Mode wirklich ein Kommunikationsmittel. Ich kann außerdem viel schneller reagieren als autonome Künstler.“

„Ja, ich wollte eine Unisex-Kollektion. Wichtig war mir auch, dass sie kein Retro-Feeling ausstrahlt. Die Kollektion sollte zukunftsorientiert sein.“

Dennoch finden Sie viel Anschluss an die Kunstwelt. Sie bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Mode und Kunst.

„Ja, da bin ich genau an meinem Platz. Die Kunstwelt ist mit meiner Arbeit vertraut. Ich finde dort Anschluss. Aber ich lasse mich nicht in eine Schublade stecken.“

Wie würden Sie Ihren Einfluss auf die Modewelt rückblickend beschreiben?

„Oh, das ist eine schwierige Frage. Das können andere wohl besser beantworten. Aber ich denke, dass mir vor allem meine Hartnäckigkeit und der Drang nach Autonomie weitergeholfen haben. Den Glauben an sich selbst nicht verlieren ist auch wichtig. Schließlich habe ich im Laufe der Jahre auch Entscheidungen getroffen, um Mode aus einer bestimmten Perspektive zu betrachten. Diese Entscheidungen waren in den 1980er und 1990er Jahren alles andere als selbstverständlich.“

Was meinen Sie konkret?

„Ich habe immer mit unterschiedlichen Menschentypen, Körpern und Hautfarben gearbeitet. Das gilt auch für die Geschlechterfrage. Das sind alles Dinge, die ich seit Jahrzehnten zum Thema mache.“

Und diese Themen sind immer noch aktuell.

„Ja, ich wollte eine Unisex-Kollektion. Wichtig war mir auch, dass sie kein Retro-Feeling ausstrahlt. Die Kollektion sollte zukunftsorientiert sein.“
Der Wiedererkennungswert Ihrer Arbeit ist hoch.

„Interessant, dass Sie das sagen. Als ich für mein letztes Buch Tausende von Entwürfen durchgesehen habe, stellte ich auch fest, dass ich ziemlich konsistent bin. Und erstaunlicherweise wirken Modelle, die ich vor 30 Jahren entworfen habe, immer noch aktuell. Deshalb tragen viele junge Leute meine Kollektionen – sowohl neue als auch Vintage-Modelle.“

Sie sind kein Designer, der mit seiner Zielgruppe altert?

Lachend: „Nein. Das ist gut, oder? Und ziemlich außergewöhnlich. Ich behaupte nicht, dass ich alterslos bin, aber ich versuche, nicht aus Nostalgie heraus zu handeln.“

Ich glaube, Sie haben ein gutes Gespür für den Zeitgeist.

„Mir ist es wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben. Das hat meiner Meinung nach nichts mit dem Alter zu tun. Das Interesse bzw. Talent hat man oder man hat es nicht.“

Sie gehen auf die 70 zu. Wie lange möchten Sie noch weitermachen?

„Ach, die Zukunft, die Zukunft. Solange mir meine Arbeit Spaß macht und ich es genießen kann, mache ich weiter. Natürlich spüre ich manchmal, dass ich älter werde. Gleichzeitig fühle ich mich jung und voller Energie. Also kein Grund um aufzuhören, oder?”
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Die G-STAR x Walter Van Beirendonck Kollektion ist online und in den folgenden Geschäften erhältlich:

G-STAR Düsseldorf
G-STAR Frankfurt Zeil
G-STAR Hamburg Bergstrasse
G-STAR Munchen
G-STAR Wien Neubaugasse

Shop Capsule Collection

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